Rohstoffsouveränität durch Holz

Das globale Machtgefüge befindet sich in massiven Umbrüchen. Die Bedeutung von Eigenversorgung und Unabhängigkeit steigt. Europa muss auf seine Stärken setzen – und Holz ist eine davon. Mit Holznutzung Wertschöpfungskreisläufe forcieren, Abhängigkeiten verringern und die Bioökonomie vorantreiben.

Paul Ehgartner - Sektionsbeauftragter für Forstwirtschaft u. Regionen und interim. Abteilungsleiter-Stv. im Bundesministerium für Land- u. Forstwirtschaft, Klima- u. Umweltschutz, Regionen u. Wasserwirtschaft sowie designierter Generalsekretär der Land&Forst Betriebe Österreich

holzbau austria Magazin 2/2026

Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit stehen aktuell besonders im Fokus. Neben militärischer Verteidigung spielen dabei auch resiliente (Land-)Wirtschaftssysteme eine zentrale Rolle. Welche Folgen Unterbrechungen der Lieferketten haben können, wurde beispielsweise während der COVID-Pandemie oder durch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sichtbar. Die Verringerung von Abhängigkeiten durch den Einsatz von in Europa vorhandenen Rohstoffen und innovativer Zugänge stellt eine Antwortmöglichkeit dar. Die Forcierung der holzbasierten Wertschöpfungskette in Österreich und Europa hat gleich mehrfachen Nutzen – ökonomisch, ökologisch und sozial.

Das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk der Forst- und Holzwirtschaft – inklusive vor- und nachgelagerter Sektoren – generiert in Österreich eine Wertschöpfung von 43 Mrd. €. Jeder zehnte Euro in Österreich wird direkt oder indirekt durch Holz erwirtschaftet und jeder elfte Arbeitsplatz ist darauf zurückzuführen – insgesamt rund 440.000 Arbeitsplätze. In der EU-27, Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich sorgt der Sektor für 1114 Mrd. € Bruttowertschöpfung insgesamt und sichert 17,5 Mio. Arbeitsplätze. Die Branche stärkt Österreichs und Europas Wirtschaftskraft und bietet Jobs, insbesondere in strukturschwachen Regionen.

Im Rahmen der Österreichischen Waldinventur werden seit 1961 der Zustand und die Veränderungen des Waldes erhoben. Die Waldfläche hat in diesem Zeitraum um 330.000 ha zugenommen. Der Holzvorrat ist von 780 Mio. Vorratsfestmeter (Vfm) auf 1174 Mio. Vfm angestiegen. Die Waldfläche in der EU wuchs seit 1990 um 14 Mio. ha.

Gleichzeitig sind die Auswirkungen des Klimawandels auf den heimischen Wald sichtbar. Es treten vermehrt klimabedingte Schäden, beispielsweise durch Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme oder Nassschnee, auf. Im Jahr 2024 lag der Schadholzanteil bei 55 %. Daher ist es von besonderer Bedeutung, die Wälder aktiv an den Klimawandel anzupassen und ihre Resilienz zu steigern, damit ihre vielfältigen Funktionen für die Bevölkerung erhalten bleiben.

Auch die Rolle des Waldes als Kohlenstoffsenke steht immer wieder im Fokus: Dabei ist zwischen Kohlenstoffvorrat und Sequestrierung zu unterscheiden. Die höchsten Zuwächse – und damit die höchste CO2-Aufnahme – erfolgen im Baumalter zwischen 40 und 60 Jahren. Durch die Auswirkungen des Klimawandels werden die Wälder selbst zunehmend zu unsicheren Kohlenstoffspeichern. Wenn Holz als Baustoff und in langlebigen Holzprodukten genutzt wird, wird das durch das Wachstum aufgenommene CO2 langfristig dem Kreislauf entzogen. Darüber hinaus können andere Materialien, deren Herstellung energieintensiv ist und große Mengen CO2 emittiert, substituiert werden. Das ist ein Beitrag zum Klimaschutz und gelebte Bioökonomie.

Der Rohstoff Holz bietet großes Potenzial.
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